5.September 1973
Man sperrt mich in eine Anstalt, um mir fremde Sprachen und Mengenlehre beizubringen. Das drückt aufs Gemüt.
20. November 1973
Meine Mutter gibt den Kampf um ihr Leben auf und verschiebt diesen Wunsch auf später.
8. Juni 1981
Eine Kommission befindet, ich hätte ausgezeichnete Kenntnisse in Fremdsprachen und mäßige in Mengenlehre erworben und erklärt mich folgerichtig für reif.
20. September 1981
Eine ganz andere Kommission nimmt ebendies zum Anlaß, mich zur Verteidigung meines Landes in Form eines Dienstes beim Roten Kreuz abzustellen.
5. August 1986
Die dritte und bisher letzte Kommission meines Lebens übersieht mein völliges Desinteresse an den Wirtschaftswissenschaften und verleiht mir irrtümlich einen akademischen Titel. Mein Vertrauen in Kommissionen erlischt damit völlig.
20. Oktober 1986
Schreiben können Sie ja, meinten Herr Puttner und Herr Bates (oder ihre irdischen Vertreter) aber Sie sind überqualifiziert. Sie überhören meinen Einwand, daß die Kommissionen an diesem Eindruck schuld seien.
20. September 1987
Die mir angebotenen Jobs in der Raiffeisen-Zentralbank und bei einer Maschinenfabrik veranlassen mich, ein Visum nach Australien zu beantragen.
5. September 1988
Ich werde bei Christie’s Education in London für ein Jahr aufgenommen. Inhalt des Lehrgangs: den eigenen Augen zu trauen und nichts nachzuplappern.
Rosemarie Schwarzwälder erklärt sich bereit, meine Unkenntnis der zeitgenössischen Kunst vorläufig zu ignorieren. Ich bin im Gegenzug bereit, für Sie in mehreren Sprachen Briefe zu schreiben und auf Kunstmessen lächelnd neben ihr zu stehen. Ich lerne viel von ihr.
Ich lehne ein Angebot der Marlborough Gallery ab, Schieles und Kokoschkas quer durch Europa aufzuspüren, und bin nicht ganz sicher, warum. Aber es macht Eindruck bei der Marlborough Gallery.
Prof. Stemberger mag meine Idee vom hängenden Glastisch und beauftragt mich, seine Klinik einzurichten und ein Logo zu entwerfen.
Ich erhalte den Gewerbeschein zur Gestaltung der äußeren Form von Waren: Keine Vorbildung oder Prüfung nötig. Soviel zum Niveau des Designs in Österreich.
Ich reise zu meiner ersten Messe in einem Golf. Darin gut verpackt: Ein Messestand, drei Möbelstücke, 100 Kataloge und ein Mitarbeiter.
Im Café Prückel spricht mich eine Angestellte des MAK an. Ob ich die Möbel, an denen ich da zeichne, auch baue. Zwei Wochen später gebe ich mein erstes ORF-Interview.
Angelo Mangiarotti beschließt, dass mein Messestand den ersten Preis verdient hat. Was niemand weiß: Der durchschnittliche Messestand kostet etwa das Fünfzigfache von meinem Entwurf.
Eine Bank, die anders ist als andere, will Möbel, die das widerspiegeln. Ich gewinne eine Präsentation gegen Bene&Co.
Die Möbel passen wie im Traum in den rechten Flügel des Jagdschlosses; leider ist den meisten Besuchern der Weg in die Steiermark zu weit – mein größter Mißerfolg.
Wenn das Institut für Bildnerische Erziehung Möbel braucht, ist das auch ein Bildungsauftrag. Ob meine a.o. Gastdozentur sich auswirken wird?
„Das soll zeitlos sein, so richtig wahnsinnig, so daß einem alles wegbleibt, so anders“. Ein frühbarockes Haus am Ulrichsplatz wird behutsam ergänzt.
Auf der Schloßterrasse von Ernegg stehen ganz proletarische Heurigenbankerln. Das muß sich ändern.
Ich entdecke, daß ein Möbelproduzent einen meiner ersten Entwürfe nachbaut. Ich habe es also geschafft! Ich fühle mich in die Hall of Fame des Möbeldesigns aufgenommen!
Eine LKW-Ladung Kunstwerke aus England ordne ich zuhause bei Wittgensteins um meine Möbel : und siehe, das Haus fühlt sich wohl und erwacht zu neuem Leben.
„Nur Autos allein sind fad“, meint der Autohändler, „wir wollen was Lebendiges.“ Ich setze gelbe Opelfische in Aquarien aus Stahl und Glas, die aussehen, als wären sie gerade gelandet.
Juni 2012
Benedictus qui venit: Mein Sohn ist quicklebendig und quietschvergnügt. Wie alle unsere Kinder ist er auch Zwilling und die ganze Familie wechselbadet gemeinschaftlich in großen Gefühlen.
November 2018
Ein feines Büro an einer feinen Adresse – 10 Jahre später hat es geklappt. Mein Designstudio zieht um in die Prinz Eugen-Straße.
August 2019
Tempus fugit, oder: Wer hat an der Uhr gedreht? Seit dreißig Jahren entwerfe ich Möbel, seit fast zwanzig Jahren Grafikdesign. Es wird mir nicht langweilig
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Februar 2020
Eine weltweite Zäsur gibt uns Zeit nachzudenken. Was dabei herauskommt, ist jedermanns eigene Sache. Die meisten machen weiter als wäre nichts gewesen; ich fürchte ich gehöre dazu. Nichts ist schwerer zu verlassen als ein Hamsterrad, das man selbst gebaut hat.
Jänner 2021
Gesamtkonzepte sind die Königsdisziplin des Design. Bin ich Königs genug? Nach dreißig Jahren richte ich wieder eine Arztpraxis ein, vom Logo bis zum Computertisch.
Mai 2022
Design, revisited: Meine erste Möbelausstellung seit vielen Jahren. Wohin wird mich das bringen?
to be continued!!